Unternehmensjurist

  • Magazin
  • Newsletter
  • Aktuelles
  • Mediadaten
  • Verband
  • Kongress
  • Partner
  • Kontakt

  • Aktuelles
  • Inhaltsangabe 2/12
  • Inhaltsangabe 1/12
  • Archiv
  • Abonnement

Expertenbeitrag >
< 
09.August 2011

Studie

Rechtsabteilungs-Report 2011

Die Verrechtlichung der Geschäftsprozesse in deutschen Unternehmen nimmt zu, mit Konsequenzen für Legal Counsel. Das zeigt der Rechtsabteilungs-Report 2011/12. Er gibt Einblicke in Organisation & Strategie der Rechtsabteilungen in den deutschen Top-150-Unternehmen.

Die Auswirkungen der zunehmenden Verrechtlichung der Geschäftsprozesse in deutschen Unternehmen lassen sich ganz klar in den Studienergebnissen ablesen“, sagt Dr. Michael Henning, Geschäftsführer von Otto Henning & Company Strategy Consultants, die seit 2005 den Rechtsabteilungs-Report durchführen und dafür jährlich die Chefjuristen der deutschen Top-150-Unternehmen befragen. Das Ergebnis: Bei zunehmender Themenkomplexität, wachsenden Aufgaben und steigender Relevanz der Rechtsabteilungen für Vorstand und Aufsichtsrat hält der Kostendruckdennoch weiterhin an. Allerdings: Die Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sind heute andere als noch vor ein paar Jahren.

Im Fokus stehen jetzt vor allem Prozesse und Technologien, Personalkürzungen sind – zumindest bei Fachkräften – nicht geplant. Im Gegenteil: Rechtsabteilungen stocken die Anzahl der Anwälte deutlich auf, zu Lasten des administrativen Support-Personals.

 

 

Damit, so das Fazit der Studie, halten in deutschen Rechtsabteilungen zunehmend US-amerikanische Verhältnisse Einzug. „So wie sich die Rechtssysteme der Länder immer stärker annähern“, sagt Dr. Henning, „gleichen sich auch die Strukturen der Rechtsabteilungen in wichtigen Parametern wie Anwaltsquoten, Hierarchiestufen und Grad der Technologisierung immer mehr an.“ Dass der steigende Kostendruck in den Rechtsabteilungen dabei nicht zwangsläufig auf sinkende Budgets zurückzuführen ist, zeigt die aktuelle Studie deutlich. Immerhin 45 Prozent der befragten Chefjuristen erwarten für 2011 Erhöhungen ihres Budgets, 47 Prozent rechnen mit gleichen,Budgets wie im Vorjahr, und nur acht Prozent gehen von einer Senkung der Etats aus. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 rechneten noch 35 Prozent mit Budgetsenkungen, und nur jeweils 33 Prozent mit Erhöhungen beziehungsweise Stagnation der Budgets (siehe Grafik 1).

 

 

Treibender Faktor für den anhaltenden Kostendruck sind aktuell vor allem die Zunahme der Aufgaben und die Diversifizierung der rechtlichen Anforderungen. „Die Rechtsabteilungen spielen in den Unternehmen eine immer wichtigere Rolle“, so Dr. Henning, „ihre Relevanz insbesondere für Vorstände und Aufsichtsrat nimmt zu.“

 

Außerdem würden – auch bei Budgetsteigerungen – die Anforderungen an die Legal Counsel meist noch erheblich stärker wachsen als die Etats. Die Folge: In den Rechtsabteilungen wird zwar das juristische Personal aufgestockt, die Anzahl der Rechtsanwaltsgehilfen und Sekretariatskräfte hingegen sinkt. So gehen 35 Prozent der befragten Chefjuristen davon aus, dass 2011 die Zahl der beschäftigten Rechtsanwälte zunimmt, gleichzeitig rechnen 13 Prozent damit, dass weniger Sekretariatskräfte angestellt sein werden (siehe Grafik 2). Auch das ist laut Dr. Henning ein deutliches Zeichen für die steigende Komplexität der Aufgaben für Legal Counsel: „Für anspruchsvolle Themen werden derzeit aktiv neue Juristen eingestellt, weniger fordernde Aufgaben werden indes immer stärker automatisiert.“

 

 

Noch deutlicher wird der wachsende Trend zum internen Aufbau anwaltlicher Expertise im Langzeitvergleich: 2005 stellten die Rechtsanwälte lediglich 55 Prozent des Personalstamms innerhalb der Rechtsabteilungen, 2011 sind es bereits 76 Prozent. Die Quote der Assistenten ging im gleichen Zeitraum von 30 Prozent auf 14 Prozent zurück, die der Rechtspfleger/Paralegals von 15 Prozent auf 10 Prozent. Ein klares Signal – das aber auch Risiken birgt. „Es ist sehr klug, der wachsenden Komplexität mit konsequentem Know-how-Aufbau zu begegnen“, so Dr. Henning, „allerdings muss man aufpassen, mittel- bis langfristig die richtige Balance zu wahren.“

 

 

Müssten künftig trotz Automatisierung und Technologisierung zu viele administrative Tätigkeiten von hochqualifizierten Juristen erledigt werden, würde dies letztlich wieder zu sinkender Effizienz führen. Viele Anstrengungen zu Kosteneinsparungen in den vergangenen Jahren könnten so schnell zum Bumerang werden. „Mit einer durchschnittlichen Anwaltsquote von aktuell 76 Prozent kommen die Rechtsabteilungen allmählich in den roten Bereich“, warnt Dr. Henning. Zumal der Kosten- und Personaldruck längst auch auf die Führungsebenen voll durchgeschlagen hat. Laut Studie werden die Führungsspannen erweitert: Waren 2009 noch 53 Prozent der Chefsyndizis für bis zu fünf Führungskräfte verantwortlich, liegen 2011 nur noch 41 Prozent der General Counsel auf dieser Spanne (Grafik 4). Stattdessen berichten mittlerweile sechs bis zehn Führungskräfte bereits an 30 Prozent der Chefjuristen (2009: 25 Prozent) und mehr als 15 Führungskräfte sind jetzt bereits elf Prozent der Chefjuristen zugeordnet (2009: 5 Prozent).

 

Dr. Henning: „Die Chefjuristen haben in den vergangenen Jahren sehr überzeugend ihre Hausaufgaben gemacht. Das zeigen vor allem die internen Stundensätze, die seit 2009 ganz erheblich gesenkt wurden.“ Von 148 Euro im Jahr 2009 schrumpften die durchschnittlichen internen Stundensätze in den Rechtsabteilungen auf jetzt 125 Euro. Ganz anders indes die durchschnittlichen Stundensätze für die externe Rechtsberatung: Diese steigen seit 2007 kontinuierlich an, zuletzt von 323 Euro auf 328 Euro (Grafik 5). Verstärktes Insourcing zählt denn auch neben weiteren Prozessoptimierungen zu den wichtigsten Methoden, mit denen Rechtsabteilungen künftig noch mehr Kosten senken wollen (Grafik 6). „Kosteneffekte in den Rechtsabteilungen sind künftig fast ausschließlich durch weitere Priorisierung, Technologisierung und Prozesskostenoptimierung zu erzielen“, so Dr. Henning.

 

Bei den Personalkosten dürfte hingegen das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Mehr noch: Die Budgets werden mittelfristig wohl wieder steigen, anders ist der angestrebte Qualitätsschub beim juristischen Fachpersonal kaum in die Tat umzusetzen. Denn mit zunehmender, auch administrativer Arbeitsbelastung droht die Attraktivität des Berufsstandes zu sinken. Hier muss rechtzeitig gegengesteuert werden, will man das Feld der Top-Leute künftig nicht kampflos den Kanzleien überlassen. „Rechtsabteilungen sind sicher gut beraten, wenn sie bei den Gehältern nachziehen und ihre Organisationen wieder stärker als Karriereenabler für Top-Juristen positionieren“, so Dr. Henning.

 

Die Chancen dafür standen im Grunde nie besser, auch das zeigt der Rechtsabteilungs-Report 2011: Die Relevanz der Inhouse Counsel innerhalb der Unternehmen wächst kontinuierlich.

Bereits 12 Prozent der deutschen Top-Unternehmen verfügen über einen eigenen Vorstandsbereich Recht, 2007 waren es nur 4 Prozent. Auch die Zahl der General Counsel, die direkt an den CEO berichten, steigt –von 37 Prozent 2005 auf jetzt 65 Prozent (Grafik 7).

 

Auch diese Zahlen sind ein eindeutiges Indiz für die zunehmende Verrechtlichung der Unternehmen, und sie spiegeln wider, welche enormen Auswirkungen diese Entwicklung auf Rolle und Wahrnehmung der General Counsel in den Konzernen hat. „Recht ist Chefsache“, so Dr. Henning, „das zeigt die Studie deutlich. “

 

Insbesondere die Absicherungsfunktion nimmt zu: So nennen aktuell 66 Prozent der Befragten und damit 18 Prozent mehr als 2009 die Kontrollfunktion als wichtige Rolle der Rechtsabteilung. Die Rolle des Risikomanagers ist um 16 Prozent gestiegen, die des präventiven Rechtsberaters um 7 Prozent (Grafik 8). „Risiko wird zunehmend monetarisiert“, sagt Dr. Henning, „es wird neben Kapital, Personal und Information zur vierten strategischen Dimension für die Unternehmen. Und diese vierte Dimension wird von den General Counsel besetzt.“ Eine enorme Chance für die Unternehmenjuristen: „Diese  ntwicklungen sind absolut positiv“, so Dr. Henning, „noch nie hat unsere Studie so deutlich gezeigt, dass die Zeichen auf Qualität, Wachstum und Relevanz stehen. Mit guten Verträgen und gutem Risikomanagement können sich Rechtsabteilungen exzellent im Unternehmen positionieren.“

 

An der Studie zum Rechtsabteilungsreport 2011/12 haben sich 62 Chefjuristen der deutschen Top-150-Unternehmen beteiligt, davon sind 14 Prozent als Syndikus beschäftigt, 86 als Leiter Recht/General Counsel. Die komplette Studie (200 Seiten) ist im Frankfurter Verlag Recht und Wirtschaft erschienen.

Weitere Infos unter www.oh-c.com. Anja Sturm

<- Zurück zu: Aktuelles
Unternehmensjurist

Jetzt abonnieren



Unternehmensjurist

Newsletter bestellen



Imagebroschüre downloaden



Mediadaten




  • Impressum
  • Sitemap
  • AGB Datenschutz