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18.April 2011

Exklusive Vergütungsstudie

Gehälter und variabler Anteil steigen

Unternehmensjurist Nachrichten

Unternehmensjuristen haben die Wirtschaftskrise besser überstanden, als andere Berufszweige. Laut einer exklusiven Gehaltsanalyse von Towers Watson für "unternehmensjurist"  sind die Gehälter seit 2008 im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Es ist schon beachtlich, wie stark die Gehälter der Hausjuristen zwischen 2008 und 2010 gestiegen sind“, sagt Martin Hofferberth, Senior Consultant und Vergütungsexperte bei Towers Watson in Frankfurt. Vor allem in Anbetracht der Wirtschaftskrise 2009, in deren Folge viele Unternehmen eine Nullrunde bei den Gehältern eingelegt haben und Mitarbeiter in Bereichen wie Finanzen, Vertrieb oder Marketing bei Gehaltserhöhungsverhandlungen leer ausgingen, sei die Entwicklung bei den Syndici „sehr bemerkenswert“.

Im Schnitt verdienten Unternehmensjuristen 2010 rund 10 Prozent mehr als 2008. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Vergütungsvergleichs, den Towers Watson exklusiv für „unternehmensjurist“ durchgeführt hat, und der auf rund 1.700 Gehaltsdaten von 200 Unternehmen basiert. Diese sind zwischen März und Mai 2010, also nach der jährlichen Gehaltsanpassung für 2010, in die Datenbank des Beratungsunternehmens eingeflossen.

Verbessert haben sich die Bedingungen in den vergangenen zwei Jahren insbesondere für Berufsanfänger. Deren jährliches Zielgehalt (Grundgehalt plus variabler Anteil) ist im Vergleich zu 2008 um 11,8 Prozent auf durchschnittlich 51.900 Euro gestiegen. Doch auch für Spitzenkräfte ging es weiter aufwärts: Die höchste analysierte Karrierestufe, die der Bereichsleiter, hat um 9,2 Prozent auf ein Zielgehalt von 163.500 Euro zugelegt.

Insgesamt hat Towers Watson vier Karrierestufen untersucht: Einsteiger, Spezialisten und Senior Experts aus der Karriereleiter „Professionals“ sowie Bereichsleiter aus der Karriereleiter „Management. „Bei den Hausjuristen liegt unser Fokus ganz klar auf den Professionals“, so Hofferberth, „weil wir hier die deutlich größere Datenbasis haben.“ Denn die Management-Karriereleiter schreibt schon für die erste Stufe einen „signifikanten Führungsanteil“ vor. Bei Unternehmensjuristen, die meist in Rechtsabteilungen mit im Durchschnitt sechs bis sieben Anwälten tätig sind, ist diese Voraussetzung nicht allzu oft gegeben. Es gibt bei der Analyse der Unternehmensjuristen-Gehälter deshalb deutlich mehr Erhebungsdaten zu Fachspezialisten als zu Managerkarrieren. Letztere flossen in die Bewertung somit ausschließlich mit Daten der Karrierestufe „Bereichsleiter“ ein – und toppen zugleich das Ranking.

Hofferberth betont jedoch, dass auch „Senior Experts“ oft in diese Gehaltshöhen vorstoßen würden: „Es ist nicht selten, dass Fachspezialisten mehr verdienen, als ihre Bereichsleiter, an die sie berichten.“ Für absolute Top-Spezialisten, die „Gurus auf ihrem Gebiet“, so Hofferberth, sei dies nichts ungewöhnliches.

 

Ebenfalls nichts Ungewöhnliches sind die zum Teil starken Schwankungen zwischen den Juristengehältern verschiedener Branchen. Von den vier Branchen, die Towers Watsonanalysiert hat – IT/Telekommunikation, Pharma/Chemie, Banken und Konsumgüter – bildet der Bereich IT/Telekommunikation ganz klar das Schlusslicht. Einsteiger in dieser Branche verdienen durchschnittlich 50.300 Euro pro Jahr, Bereichsleiter 146.200 Euro. In der Pharma/Chemie-Branche sieht das ganz anders aus. Hier klettert das jährliche Zielgehalt von 53.300 Euro (Einsteiger) auf 206.400 Euro (Bereichsleiter).

Die Unterschiede resultieren einerseits aus den generell differierenden Gehaltsspiegeln der Branchen, andererseits aus den verschiedenen Anforderungen an die Unternehmensjuristen. „Die Tätigkeit von Hausjuristen im Bereich IT und Telekommunikation ist noch immer stark geprägt von Themen wie Vertragsrecht, Arbeitsrecht oder auch Verhandlungen mit dem Betriebsrat“, so Hofferberth, „Banken und Pharmaunternehmen hingegen brauchen eine Vielzahl von Spezialisten in Bereichen wie Patentrecht, Liability, Risk Management oder Mergers & Acquisitions.“ Das erhöht den Marktwert.

Allerdings – und auch das ist keine Überraschung – setzen insbesondere Banken stark auf variable Vergütungsmodelle. Für Senior Experts beispielsweise liegen hier die variablen Anteile (Short Term Incentives mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr) bereits bei 25 Prozent. Tendenz weiter steigend.

Laut Towers-Watson-Berater Hofferberth gibt es derzeit zwar „keine Revolution“ auf dem Markt der Vergütungsmodelle, doch ist ein Trend zu höherer Gehaltsflexibilisierung klar erkennbar: „Die Unternehmen nutzen diesen Hebel immer stärker.“ Im direkten Ländervergleich mit Österreich und der Schweiz liege Deutschland in dieser Hinsicht sogar bereits meist vorn. Einer der Gründe: Gerade in den zurückliegenden wirtschaftlich schwierigen Jahren haben viele Unternehmen die Gehälter noch stärker an die eigene ökonomische Entwicklung gekoppelt. Außerdem wurden viele langfristige Anreize (Long Term Incentives), wie etwa Aktienanteile, vermehrt in Short Term Incentives umgewandelt.

Für Hausjuristen sind die Modelle dennoch nach wie vor „eher konservativ“, so Hofferberth. Nahezu 99 Prozent der variablen Vergütung setzen sich aus Short Term Incentives zusammen, davon wiederum resultierten auf den meisten Karrierestufen rund 70 Prozent aus individuellen Zielvorgaben und nur 30 Prozent aus Unternehmenszielen.

„Für Hausjuristen ist eine 30:70-Relation das klassische Performance-Setup“, so Hofferberth, „erst ab der Stufe des Bereichsleiters kann sich dies auch schon mal in Richtung 50:50 bewegen.“ Für den Berater ist die aktuelle Entwicklung indes nicht zu Ende. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Hofferberth. Entscheidend für den Erfolg sei dabei, dass die Unternehmen ihre Modelle transparent machen und intern richtig kommunizierten. „Je besser die variablen Modelle verstanden werden, desto höher ist die Motivation, diese zur eigenen Zielerreichung zu nutzen. Und nur so machen hohe variable Vergütungsanteile für beide Seiten Sinn “, sagt Hofferberth. Anja Sturm

 

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